Donnerstag, 18. November 2010

Un-Logo: "Inns'bruck"s neues, pechschwarzes Logo

Kein Mensch außer der ÖVP versteht das neue Logo der Stadt. Weil es beliebig ist und nichts über Innsbruck sagt:

Aber wer macht eigentlich so einen Logo-Entwurf? Es ist die Agentur headquarter, eine Haus- und Hofagentur der ÖVP, die dafür 35.000 Euro Steuergeld der Stadt bekommt.

Es ist die Agentur von Martin Malaun (Geschäftsführer), dem ehemaligen "Organisationsreferenten" der Tiroler ÖVP und Berater des damaligen Innenministers Günther Platter.

Es ist auch die Agentur von Christoph Ulmer, der als Kabinettschef von Ernst Strasser im Innenministerium in die Schlagzeilen kam (ebenfalls Geschäftsführer). Viele der Mails, in denen Strasser mit Parteifreunden besprochen hat, wie ÖVP-Leute in wichtige Funktionen der Polizei gehievt werden sollen, gingen auch an ihn. Später bekam Ulmer auch von Minister Platter einen Berater-Auftrag, Kostenpunkt 250.000 Euro. So gesehen ist Innsbruck noch günstig davon gekommen. Aber die Bürgermeisterin einer schwarzen Bürgerliste ist halt auch keine Ministerin.

Zuletzt fiel headquarter damit auf, dass sie den Wiener ÖVP-Wahlkampf betreute. Zur Erinnerung: In diesem Wahlkampf plakatierte die ÖVP ihren wichtigsten Gegner, BM Häupl, in ganz Wien. Das Ergebnis ist bekannt.

Bei dieser schwarzen Agentur wundert mich eigentlich nur, dass die Schrift in unserem neuen Logo nicht auch noch schwarz ist - daher kommt also unser neues Logo.

Inns-bruck: "Schiache Beisln"

Übrigens wird das Logo auch bei englischsprachigen Menschen zu schweren Missverständnissen führen. Denn während ein "inn" auf englisch ein Gasthof oder eine Schenke ist, bedeutet "bruck" umgangssprachlich entweder "schiach" oder aber schlicht "pleite". Bei amerikanischen TouristInnen stellt sich Innsbruck in Zukunft also wahlweise vor als "schiache Beisln" oder im Besten Fall als "Gasthöfe, die pleite sind". (Quelle: Urban Dictionary)

Eine gewisse Ironie hätte ja zumindest die zweite Bedeutung für unsere Tourismuswirtschaft. Aber wenn dieses Logo tatsächlich kein Scherz zum Faschingsanfang sein sollte, dann ist es nach dem Wiener Wahlkampf der nächste Geniestreich der ÖVP und ihrer Agentur. Diesmal auf Kosten der Stadt.


Update aus dem Gemeinderat: Im Gemeinderat erklärte headquarter gerade, dass das Logo vielseitig verwendbar ist: Je nach dem Bild, auf das man es halt drucken (muss), passt es sich an und kann alles bedeuten. Beliebigkeit als Vorteil - womit wir wieder fast bei der ÖVP wären ;-)

Die Bürgermeisterin meint, dass headquarter einfach die beste Agentur war für das Logo, schließlich sei der Beschluss in der kleinen, (regierungs-)politisch besetzten Logo-Gruppe einstimmig erfolgt. Damit hat sie mich fast überzeugt, aber ganz sicher bin ich mir erst wenn feststeht, dass headquarter weder den Wahlkampf der BMin noch den der VP planen wird.

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