Freitag, 21. Mai 2010

Gemeinderat: Im Medaillenwahn

Zwischen Scham, Beschimpfung und künstlicher Aufregung: Die heißeste Diskussion im gestrigen Gemeinderat gab es zu den Medaillenprämien der Stadtregierung.

"Es ist obszön, den Innsbrucker Sportvereinen knapp 30.000 Euro an Subventionen zu streichen, und gleichzeitig Schlierenzauer, Kofler und Co Medaillenprämien in der gleichen Höhe auszuzahlen." Das habe ich im Gemeinderat gesagt und dazu beantragt, das Geld nicht für Medaillen, sondern für die Sportvereine zu verwenden.

Na mehr hat die Stadtregierung nicht gebraucht. Ihre Gegenargumente, versteckt zwischen Beschimpfungen und Entrüstung, waren sehr schwach:

- Man könne ja nicht "den armen" MedaillengewinnerInnen jetzt Prämien streichen, mit denen sie schon gerechnet haben (Grünbacher, SP)
- Vielleicht würden die SportlerInnen das Geld ja selber für Breitensportförderung ausgeben, wer weiß? Steuerberater würden ihnen das wohl empfehlen. (Wanker, VP)
- Belohnungen sind auch eine Motivation, das braucht es im Sport (Peer, SP; da hätte ich fast laut lachen müssen: Jetzt weiß ich endlich, warum Schlieri die Goldene geholt hat - er war von der Aussicht auf die 7.000 Euro-Prämie aus Steuergeld so motiviert!)
- Andere Gemeinden würden viel mehr Geld ausgeben, Ampass zB habe ein Fest veranstaltet, das viel teurer gewesen sei (Kaufmann, FI).
- Es ist ein Zeichen der Wertschätzung, weil diese SportlerInnen so viel in ihre Karriere und ihre Leistungen investiert haben (VP, FI; ich freue mich schon darauf, dass all die Menschen, die sich ihr Leben lang ehrenamtlich bei der Feuerwehr, den Sozialvereinen, den Kirchen und in der Kultur engagieren endlich auch ihre wohlverdienten 7.000 Euro bekommen...)

Es war das alte Spiel: Die Koalition schämt sich klammheimlich, will aber ihr Gesicht nicht verlieren und tut ganz entrüstet. Jetzt soll der Sportausschuss Richtlinien für die Prämien ausarbeiten, die am besten auch Specialolympics, Jugendolympiade (YOG), Welt-, Europa- und Staatsmeistertitel einbeziehen. Da bin ich mal gespannt: Selbst wenn wir für jede Medaille nur noch 3.000 Euro bezahlen wäre die Stadt bald bankrott.

Übrigens stimmten letztlich neben der Regierung auch FPÖ, Federspiel und Liberale für die Medaillengelder.

Update: Einen Artikel zum Thema von Phillipp Neuner gibt's heute in der Krone oder hier.

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