Freitag, 18. September 2009

Walter Peers Drei-Stufen-Modell, Teil 2

Neues Thema, gleiches Spiel. In der aktuellen "Tiroler Woche" ist schon wieder nachzulesen, wie Walter Peer es vermeidet, seine Meinung zu sagen oder sich fest zu legen.

Diesmal geht es um einen Parkplatz in Igls, der von PendlerInnen verparkt wird. Eine Entscheidung steht an: Führt Peer eine Kurzparkzone ein, verärgert er die PendlerInnen, die sich dann andere Parkplätze suchen müssen. Lässt er aber alles wie es ist, verärgert er die Igler Geschäftsleute und Bewohner, die jetzt schwer Parkplätze finden. Wen wird der Stadtrat vergraulen?

Ein Fall für Walters 3-Stufen Modell:

Stufe 1: "Ja, es ist richtig und uns selbstverständlich bekannt, dass der Parkplatz in Igls als kostenfreier Park&Ride-Platz genutzt wird."
Bekannte Fakten wiederholen, die Situation zusammenfassen. Das bringt den Anschein von Kompetenz.

Stufe 2: "Einerseits freut es mich als Verkehrsstadtrat, dass das Prinzip der Park&Ride-Plätze Fuß fasst, was selbstverständlich auch ein Beweis für das gut ausgebaute öffentliche Verkehrswegenetz speziell der IVB in Innsbruck ist. Andererseits stellt sich parallel dazu die Frage, ob es Aufgabe einer Stadt ist, einen Parkplatz kostenfrei dafür zur Verfügung stellen zu müssen"
Anstatt aus der Zusammenfassung heraus die Argumente zu gewichten und eine Meinung zu äußern (das will er ja gerade vermeiden, denn jede Meinung würde jemanden vergraulen!), lieber über abstraktes Allgemeines reden. "Prinzip der Park&Ride-Plätze" find ich persönlich da perfekt.
Wenn nötig mit Anekdoten und persönlichen Erfahrungen würzen, das erhöht die Sympathie.


Stufe 3: "Selbstverständlich wäre eine Bewirtschaftung möglich. Ich halte es aber so wie in anderen Stadtteilen ebenso, dass nur dann eine Vergebührung von uns angedacht wird, wenn diese von der betroffenen Bevölkerung aus den Stadtteilen mehrheitlich eine Zustimmung bekommt. Außerdem steht dieser Platz im Eigentum der IIG - daher wäre natürlich in erster Linie mit der IIG bezüglich einer Bewirtschaftung zu reden."
Verantwortung abwälzen. Es findet sich immer jemand, den man noch fragen kann: die eigenen BeamtInnen, Beteiligte, BürgerInnen. Aber Vorsicht: Nie konkret sagen, mit welchen BürgerInnen man sprechen will - das wäre zu viel der Festlegung.


Inhaltlich passiert in dem Artikel, dass der Verkehrsminister der Stadt einer politischen Entscheidung aus dem Weg geht. Und zwar dadurch, dass er sie auf den Geschäftsführer einer GmbH abwälzt - Sozialdemokratie neu.

Aber wenn man den Artikel in der Tiroler Woche einfach so liest, entsteht automatisch das Bild eines mitfühlenden, kompetenten und überlegten Stadtrats; eines Politikers, der in einer unheimlich komplizierten Umgebung kompetent versucht, gute Entscheidungen zu finden.

Dabei sagt Peer hier in Wirklichkeit, dass er das Problem schon kennt, aber keine Lust hat etwas zu tun.

Keine Kommentare: