Montag, 8. Dezember 2008

Dorf am Ende der Welt

Weihnachtszeit ist in der Politik auch Budgetzeit. Der Beschluss über das Budget ist die wichtigste Entscheidung im Jahr: Was ist uns wieviel Geld wert? Da werden die Gedanken schnell grundsätzlich.

Die spannendste Grundsatzfrage in Innsbruck ist für mich: Wollen wir in einem Dorf leben oder in einer Stadt? Die Antwort der Regierung zeigt sich auch im Budget. Wir geben viel Geld aus für Sicherheit, Ordnung, Infrastruktur und Events, weniger für Innovation, Prävention und "weiche" Maßnahmen wie Sozialarbeit und unabhängige Kultur.

Mir kommt es oft so vor, als wäre Innsbruck für unsere schwarz-roten KoalitionspolitikerInnen eigentlich ein großes Dorf. Natürlich aufgefettet um schnittige moderne Architektur, aber vor allem ruhig, homogen und möglichst absolut sicher. Geranien vor den Fenstern und saubere Straßen sehe ich da vor mir, adrette Menschen und Blumentröge auf den Plätzen; dazu Sprungschanze, Hungerburgbahn und große Events.

Stadtpolitik sieht anders aus. Städte leben davon, dass sich sehr verschiedene Gruppen, Strömungen und Tendenzen auf engem Raum treffen. Dieses Spannungsverhältnis kann Probleme machen, sogar eskalieren. Es kann aber auch der Boden für echten Fortschritt sein, für neue Lebensentwürfe und Konzepte im Zusammenleben. Gesellschaftliche Entwicklung beginnt in den Städten, und wenn sie dort nicht passiert gibt es sie gar nicht.

Deshalb soll Stadtpolitik diese Spannungen so moderieren, dass sie nicht ausarten sondern ein kreatives Zusammenleben möglich wird. Da kann man nicht viel vorschreiben und steuern, die Entwicklungen kommen von selber - aber eben nur, wenn man sie lässt und unterstützt.

Vorstellungen von absoluter Sicherheit passen genau so wenig in eine Stadt wie das krampfhafte Festhalten an einer Traditionskultur, die sich sogar am Land längst überholt hat oder doch weiterentwickelt. Prestigebauten können schön sein, sogar nützlich, aber letztlich bestimmen die weichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse unseren Alltag und die Lebensqualität.

Ich habe vor kurzem ein Lied gehört, dass mich an diese Auseinandersetzung erinnert hat: "Das Dorf am Ende der Welt" (Liedtitel rechts anklicken). An was für einem Ort wollen wir also leben?

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

In dieser (Welt-)Stadt wird aber mit viel Geld der BürgerInnen eine Kanaloffensive
um 120 Mio Euro umgesetzt und die Tiefbau-StRin verkündet freudig:
Pokorny-Reitter: 11,5 Millionen Euro für Straßenbau und Hochwasserschutz in Innsbruck.
Die Gebühren und Tarife werden dann „angepasst“. Kanal und Kläranlage nun nicht mehr im Eigentum der InnsbruckerInnen , sondern werden von
einem US Konzern zurückgeleast .
Die Innsbrucker Kommunalbetrieb AG hat sich das zivilrechtliche Eigentum vorbehalten……(Seite 124 GB 2006)
Nicht unerwähnt darf in diesem Zusammenhang bleiben, dass laut GB 2006
der IKB die
„KONZERN-GEWINN- und VERLESTRECHNUNG“ einen
Bilanzgewinn von 38.352.707,12 EUR nach14.714,6 TEUR auswies.

Auch ist bemerkenswert, dass laut fernmündlicher Auskunft, das städtische Kontrollamt bisher keine Zeit fand, die IKB genauer zu überprüfen. Es wurde bisher nur das „Krematorium“ „kontrolliert“.

Auch "investierte" die IVB mehrere Millionen Euro (nicht ATS) in die Herstellung des lichten Raumes und machte die Innenstadt gleich "schwarz" (Asphalt!!), damit die "Bim" auch fahren kann. Der ÖPNV in Innsbruck muß warten, bis das Unterinntal
Für eine Kapazität von 700 Zügen ausgebaut wurde.und die Nachforderungen
des bauindustriellen Komplexes beglichen sind.